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Posty

Wyświetlanie postów z lipiec, 2016

"Ich fühle die Kundenwünsche im Voraus" - Beim Coiffeur in Polen

Paul Fl ü ckiger, Warschau (2009) Ryszard Paczynski frisiert seit 65 Jahren vor allem im einstigen Warschauer Kleinkriminellenviertel Praga, als junger Mann war er ein Jahr lang Parlamentscoiffeur. Einmal Haareschneiden, bitte! Welcher Schnitt ist zur Zeit angesagt? Seit ein paar Jahren wollen es alle vor allem kurz. Leider ist gerade das angesagt, was jeder auch selber machen kann, seit die elektrischen Schneidmaschinen so billig geworden sind. Haben Sie eine spezielle Methode? Ich schaue einen Kunden an und sehe gleich, was für eine Frisur er will. Ich diskutiere nicht lange, sondern beginne ruhig mit meine Arbeit. Das Vertrauen stellt sich damit schnell ein. Warum sind Sie Coiffeur geworden? Weil ich hungrig war. Das war mitten im Krieg, 1943. Meine Eltern waren ungebildet, mein Vater hatte keinen Beruf. Sie waren mit der ganzen Situation überfordert. Wenn ich Geld nach Hause brachte, konnte meine Mutter uns etwas zu Essen kochen, wenn nicht, dann nich

Ein geheimnisvoller Inkaschatz in Polen

Schloss Niedzica - e xotische Spuren im polnisch-slowakischen Grenzgebiet  Fot. Wikipedia Von Paul  Fl ückiger, Niedzica «Achtung Gespenst!», warnt ein dreieckiges Verkehrsschild beim Aufstieg zum Schloss Niedzica. Die Schulklassen, die das Schloss vor allem besuchen, machen davor Erinnerungsfotos. Das Gespenst sei der Geist der Inkaprinzessin Umina, die hier Ende des 18. Jahrhunderts von spanischen Schergen erdolcht worden sei, wird jungen und erwachsenen Besuchern von den Schlossführern erzählt. Er bewache einen geheimnisvollen, hier vergrabenen Inkaschatz.  Fünfmal die Herrschaft gewechselt     Der Besucher befindet sich in einem der hintersten Täler der polnischen Gegend Spisz (deutsch: Zips) im östlichen Tatra-Gebirge; es ist vorwiegend von Angehörigen der slowakischen Minderheit bewohnt. Hierher verfahren sich um diese Zeit keine Touristen; dafür liegt Polens Wintersportdestination Zakopane zu verlockend nah hinter den Hügeln. Zwei Kilometer ostwärts vom

Lech Walesa: «Neue Konfliktlösungen sind nötig»

Polens legendärer Arbeiterführer und Ex-Präsident Lech Walesa befürwortet der historischen Wahrheit und Gerechtigkeit zuliebe auch eine späte gerichtliche Abrechnung mit General Jaruzelski. Im Umgang mit Russland, das - wie die Kaukasus-Krise zeigt - wieder vom alten sowjetischen Imperium träumt, fordert Walesa mehr europäische Solidarität. Fot. M. Graczyk Interview: Paul Flückiger, Danzig (2008) Herr Walesa, gerade hat General Jaruzelskis Prozess wegen der Verhängung des Kriegsrechts 1981 begonnen. Glauben Sie Jaruzelski, wenn er sagt, er habe dabei als polnischer Patriot gehandelt und sei mit der Ausrufung des Kriegsrechts einer drohenden sowjetischen Invasion zuvorgekommen?  Lech Walesa:  Als Politiker genügt mir die Tatsache, dass ich Jaruzelski und den Kommunismus besiegt habe. Den Rest überlasse ich den dazu berufenen Organen unseres heute demokratischen Staates. Fachleute müssen sich mit der Frage beschäftigen, ob er ein Patriot war oder nicht, als er das

Mikolaj Warszawski – Polens Kinderfreund

Mit seinen Hilfspaketen für arme Familien ist der Obdachlose Mikolaj (Nikolaus) landesweit berühmt geworden. Doch heuer ist der Warschauer Samichlaus ohne Kutte. Fot. M. Graczyk Paul Flückiger, Warschau (2009) Egal was passiere, seinen Mitmenschen helfen könne man immer, sagt der Mann im grauen Rauschebart. Ein blaues Stirnband hält seine Mähne zusammen, wenn er ruhigen Schrittes zwischen den geschäftigen Reisenden auf dem Warschauer Zentralbahnhof hin und her geht und für das Obdachlosenmagazin „Wspak“ („umgekehrt“) wirbt. Sein Portrait in der roten Nikolauskutte ziert das Verkaufstischchen, heute jedoch trägt Mikolaj (Nikolaus) nur einen langen grauen Mantel. Dutzende von Kinderbriefen aus ganz Polen erhält der als „Mikolaj Warszawski“, also Warschauer Samichlaus, bekannte Obdachlose täglich an die speziell für ihn eingerichtete Postadresse. Der 76-jährige Wohltäter heisst mit bürgerlichem Namen ganz anders, doch jenen Lebensabschnitt hat er längst beiseite ges