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Franziskus in Auschwitz: Mit der Kraft des Schweigens

Beim Besuch des früheren Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau am Freitag verzichtete der Papst auf Worte. Er ließ das Dröhnen der Stille wirken – eine starke Geste.




Fot. Wikipedia


 

Mehr als eine Stunde haben die 1000 Gäste schweigend auf den Papst gewartet – statt zu singen und zu jubeln. Nun erhebt sich ein Klatschen, als Franziskus beim Opferdenkmal zwischen den zwei größten Gaskammern des früheren deutschen KZ Birkenau (Auschwitz II) eintrifft. Doch Franziskus erwidert die Freude nicht, mit ernstem Ausdruck begrüßt er Polens Premierministerin Beata Szydło, dann geht er gesenkten Hauptes hoch zu den Mahntafeln in den 23 Sprachen der Auschwitz-Opfer. Auf der Tribüne am gegenüberliegenden Ende des leeren Platzes weint ein Kleinkind.

Franziskus beugt sich über jede Gedenktafel und hat seine eigene Sprache für das Grauen gefunden: das Schweigen. Still und mit von Schmerz verzerrtem Gesicht hatte Franziskus eine gute Stunde zuvor in Auschwitz ganz allein das Lagertor mit der zynischen Aufschrift „Arbeit macht frei“ durchschritten. Schweigend saß er danach eine Viertelstunde lang allein auf einer Bank, stieg nach der herzlichen Begrüßung mit einer kleinen Gruppe Auschwitz-Überlebender in die dunkle Aushungerungszelle des von seinem polnischen Vorgänger Johannes Paul II. heiliggesprochenen Franziskanermönchs Maximilian Kolbe herunter und verharrte auch dort lange im Gebet.

Nur das Kaddisch ertönte

Auf persönlichen Wunsch hin hatte Franziskus das einstige NS-Vernichtungslager in seine fünftägige Polen-Reise integrieren lassen, deren Höhepunkt die Abschlussmesse des Weltjugendtages in der Nacht auf Sonntag ist. Anstelle einer Ansprache vor den Ruinen der Gaskammern wünschte er sich stilles Gebet und Schweigen. Nur das Kaddisch, das jüdische Totengebet, ertönte dort an diesem Tag. Der Papst zündete eine schlichte Kerze unter dem Opferdenkmal aus sozialistischer Zeit an.

„Franziskus sagt mehr durch seine Einstellung als durch Worte“, erklärt Rabbiner Abraham Skorka, ein enger argentinischer Freund des Papstes, diese Geste von Franziskus. „Das Schweigen ist eine starke Botschaft“, sagt der Rabbiner. Im alttestamentarischen Buch der Klagen stehe, dass der Leidende sich zurückziehen und schweigen solle.

Auch der polnische Oberrabbiner, Michael Schudrich, äußerte im Gespräch mit der „Presse“ viel Verständnis für die Geste von Franziskus, die so sehr im Gegensatz zu den wortgewaltigen Auschwitz-Besuchen seiner zwei Vorgänger, Johannes Paul II. (1979) und Benedikt XVI. (2006), steht. „Wer innerlich tief betroffen ist, dem fehlen die Worte“, sagt Schudrich. Die früheren Päpste hätten diesen letzten Schritt erst „vorbereiten“ müssen, sagt Schudrich.

Der Präsident des Jüdischen Weltkongresses, Ronald Lauder, sagte am Freitag, das Verhalten des Papstes sei „angemessen“. Lauder bezeichnete den Auschwitz-Besuch als „starkes Signal“ gegen den Hass. Franziskus sei für die jüdische Gemeinschaft einer der engsten Verbündeten im Kampf gegen Antisemitismus und Fanatismus. Bereits als Bischof von Buenos Aires hatte Jorge Maria Bergoglio zusammen mit Rabbi Skorka jahrelang wöchentlich eine Fernsehdiskussion zum christlich-jüdischen Dialog geführt. „Der Mord an jedem Juden ist ein Schlag in Gottes Angesicht“, pflegte Bergoglio zu sagen.

„Er hätte uns segnen können“


Auf gemischte Gefühle stieß Franziskus' Sprechverweigerung indes unter polnischen KZ-Überlebenden. „Zumindest segnen hätte er uns können“, sagt Barbara Doniecka, die als Elfjährige während des Warschauer Aufstands der Polnischen Untergrundarmee 1944 nach Auschwitz verschleppt wurde, zur „Presse“. „Franziskus ist ein sehr weiser Mann“, findet dagegen Roza Krzywobloka, „er strahlt eine tiefe Liebe für alle Menschen aus.“

Andere anwesende Juden erwarten nach dem Schweigen des Pontifex indes auch Taten, etwa die von Elie Wiesel angeregte Exkommunizierung der schlimmsten Nazi-Schergen. In einem Gästebuch des KZ-Museums trug Franziskus zwei kurze Sätze ein: „Herr, habe Erbarmen mit deinem Volk! Herr, vergib uns so viel Grausamkeit.“

Dieser Text ist am 30. Juli 2016 in "Der Presse" erschienen.

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